Innendämmung

Die Innendämmung eines Gebäudes bietet sich immer dann an, wenn eine Dämmung von außen nicht möglich ist. Dies kann der Fall bei erhaltenswerten oder denkmalgeschützten Fassaden sein. Die Innendämmung macht ebenso dann Sinn, wenn die Platzverhältnisse im Außenbereich beengt sind. 

InnendämmungJames Hardie Europe GmbH

Auch stark gegliederte Fassaden lassen sich mit einer Dämmung an der Innenseite oft wirtschaftlicher energetisch sanieren als mit Außendämmsystemen. Werden die Dämmarbeiten sorgfältig und fachgerecht geplant und ausgeführt, ist die Innendämmung deutlich besser als ihr Ruf und kann sich durchaus mit WDVS oder Vorhangfassaden messen.

Eine Innendämmung bietet sich besonders bei folgenden baulichen Situationen an:

  • Energetische Sanierung von denkmalgeschützten Gebäuden und Bauwerken mit erhaltenswerter Fassade, zum Beispiel mit Fachwerk, Sichtmauerwerk oder Stuck.
  • Gebäude mit Grenzbebauung, vorgeschriebenen oder vorgegebenen Gebäudefluchten sowie ausgeschöpften Abstandsflächen, bei denen eine äußere Erhöhung der Bauwerksabmaße nicht möglich ist.
  • Gebäude mit geringem oder fehlendem Dachüberstand, der auch nachträglich nicht hergestellt werden kann.
  • Gemeinschaftsimmobilien, bei denen nicht alle Eigentümer einer Fassadensanierung zustimmen.
  • Gelegentlich genutzte Räume wie Gästezimmer, Hobbyräume oder Vereinsheime.

Innendämm-Systeme können witterungsunabhängig verlegt werden, da im Außenbereich der Fassade keine Arbeiten vorgenommen werden müssen.

Innendämmsysteme

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Innendämmsystemen mit genau abgestimmten Komponenten. Welches System geeignet ist, hängt von den baulichen Gegebenheiten wie dem Baustoff des Außenmauerwerks, vorhandenen bauphysikalischen Parametern und der vorgesehenen Nutzung ab. Die Hauptunterschiede der einzelnen Systeme liegen im Umgang mit der Dampfdiffusion:

Diffusionsdichte Innendämmsysteme

Diffusionsdichte Innendämmsysteme verhindern das Eindringen von Feuchtigkeit aus dem Rauminneren in den Dämmstoff durch eine innenliegende Schicht mit hohem Diffusionswiderstand. Diese Schicht kann durch den Dämmstoff selbst, eine entsprechende Dampfbremse oder Beschichtungen gebildet sein. Bei diffusionsgebremsten Systemen ist ein unkritischer Feuchteausgleich möglich. Bei niedrigen Außentemperaturen wird Feuchtigkeit in die Dämmung eingetragen, die bei höheren Außentemperaturen wieder verdunstet.

Diffusionsoffene Innendämmung

Diffusionsoffene Innendämmung lässt einen Feuchteeintrag in die Wand zu und gibt diese über Kapillaren an die Innenfläche der Außenwand ab. Die Feuchtigkeit in der Wand pegelt sich auf ein unschädliches Niveau ein, ein Feuchteausgleich und damit ein Ausgleich der Raumfeuchte ist möglich.

Dämmstoffe

Als Material geeignet sind zahlreiche Dämmstoffe wie zum Beispiel Mineralwolle, EPS und XPS, Holzwolleplatten, Perliteplatten oder Zellulose. Unterschieden wird zwischen geregelten Dämmstoffen nach DIN 4108-10 und nicht geregelten Dämmstoffen mit allgemeiner bauaufsichtlicher Zulassung (abZ) oder europäischer technischer Zulassung (ETA).

Befestigungssysteme

Die Innendämmung kann auf drei verschiedene Arten an der Innenseite der Außenwand befestigt werden:

  • Bei entsprechend tragfähigen Wandaufbauten kann die Innendämmung mit geeigneten Klebern oder Klebemörteln direkt auf die Innenseite der Außenwand aufgeklebt werden. Damit keine Hinterströmung mit feuchter Raumluft erfolgt, muss die Dämmung vollflächig verklebt werden.
  • Bei mechanisch befestigten Systemen werden die Dämmplatten in der Außenwand verschraubt oder mit Befestigungsschienen angebracht. Um eine luftdichte Dämmebene zu schaffen, wird raumseitig eine durchgehende Trennschicht geschaffen.
  • Direkt auf den Wandaufbau wird bei den gespritzten Systemen eine wärmedämmende Schicht aufgebracht. Als Material können zum Beispiel Mischungen aus Putzmörtel und Dämmstoff eingesetzt werden. Auf den Dämmputz kommt als Abschlussschicht ein passender Oberputz.

Innendämmung und Bauphysik

Eine Innendämmung verändert die Feuchtebedingungen in der Wand. Der U-Wert wird verbessert, die Transmissionswärmeverluste und damit der Heizwärmebedarf verringern sich. Die Absenkung der Temperatur im Inneren der Außenwand führt allerdings auch zu einer Verschiebung des Taupunkts. Dadurch wiederum wird das Risiko von Tauwasserausfall erhöht, eines der größten Risiken bei der Installation einer Innendämmung.

Werden ungeeignete Dämmsysteme verwendet oder bestehen Planungs- und/oder Ausführungsmängel kann das zu einer Erhöhung des Feuchtegehalts in der gedämmten Wand führen. Besonders kritisch wird dies, wenn zusätzlich durch Schlagregen oder aufsteigender Mauerwerksfeuchte der Eintrag erhöht wird.

Bemessung des Wandaufbaus

In der Vergangenheit wurde zur Bemessung des Wandaufbaus und der Dämmstärken das Glaserverfahren nach DIN 4108-3 angewandt. Allerdings wird dieses Verfahren mittlerweile häufig als zu theoretisch und damit nicht aussagekräftig genug angesehen, insbesondere dann, wenn diffusionsoffene Innendämm-Systeme berechnet werden.

Seit 2007 werden deshalb hygrothermische Simulationen nach DIN EN 15026 eingesetzt. Auf Basis des Regelwandaufbaus und unter Berücksichtigung der herrschenden Klimabedingungen wird die Innendämmung individuell bemessen. Vorteil des Verfahrens: Es können auch Langzeitfaktoren erfasst werden, die erst mehrere Jahre nach dem Einbau der Innendämmung zu kritischen Feuchtegehalten und Schäden führen können.

Vorurteile gegen die Innendämmung

Im Bereich der Innendämmung herrschen zahlreiche Vorurteile, die diese Art der Wärmedämmung in Verruf gebracht haben. Wird eine Innendämmung fachgerecht ausgeführt und auf die Bausituation abgestimmt, dann sind die gefürchteten Folgen der Dämmung von Innen leicht vermeidbar:

Innendämmung bewirkt Kondenswasserausfall und damit Schimmelbildung!

Dies lässt sich vermeiden, wenn durch eine richtige Bemessung der Tauwasserausfall in der Außenwand kontrolliert wird. Besonders wichtig ist die hohlraumfreie Verlegung der Dämmung, eine vollständige Abdichtung und die Vermeidung der sogenannten Flankendiffusion, bei der Feuchte durch angrenzende Bauteile in die Dämmung eindringen kann. Wirksame Horizontalabdichtungen schaffen hier Abhilfe.

Innendämmung hat nur eine geringe Wirkung!

Fakt ist, dass die Dämmwirkung einer Innendämmung bei gleicher Dämmstoffdicke geringer ist als bei einer Außendämmung. Grund dafür ist, dass die außenliegende Dämmung das Gebäude vollflächig einschließt. Bei der Innendämmung dagegen wird die Dämmschicht durch angrenzende Bauteile wie Innenwände oder Decken unterbrochen und es kommt zu potentiellen Wärmebrücken. Um den Flächenverlust im Rauminneren zu begrenzen, werden üblicherweise Dämmstoffdicken von etwa 8cm eingesetzt, die immer noch ein angemessenes Energieeinsparpotenzial mit sich bringen.

Innendämmung sorgt für ein ungesundes Raumklima!

Dieses Argument wird meist damit untersetzt, dass die Speicherwirkung der Außenwand als Wärmepuffer entfällt. Allerdings ist deren Anteil an der Speichermasse in der Regel ohnehin eher vernachlässigbar, dies gilt insbesondere für moderne Gebäude. Deutlich mehr Masse bringen Innenwände, Decken und Fußböden oder die Einrichtung. Auf die Raumtemperatur wirkt sich die Innendämmung deutlich positiv aus. Durch die warmen Wandflächen sinkt die Wohlfühltemperatur um zwei bis vier Grad ab, warme Oberflächen werden generell als angenehm und behaglich empfunden. Da eine fachgerecht ausgeführte Innendämmung mit einer dichten Abschlussschicht versehen ist, kommt es in diesem Fall auch nicht zu Schadstoffeinträgen aus dem Dämmstoff. 

Innendämmung hat ein schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis!

Wie gut oder schlecht das Kosten-Nutzen-Verhältnis ist, hängt vom Energieeinsparpotenzial ab. Sind Gebäude bereits mit wärmedämmenden Maßnahmen versehen, dann können die Investitionskosten das Sparpotenzial überschreiten. Möglichkeiten der Kostenminimierung bestehen dann, wenn die Innendämmung mit ohnehin geplanten Sanierungsarbeiten an Außenwand oder Fassade verbunden sind. 

Häufige Ausführungsfehler bei Innendämmungen

Im Bereich der Innendämmung gibt es eine Vielzahl von kritischen Punkten. Werden Anschlussdetails und Durchdringungen nicht sorgfältig ausgeführt und mangelhaft abgedichtet, kann dies zu Feuchteschäden und einer Beeinträchtigung des Raumklimas und der Wohnqualität sowie zu Schäden an der Bausubstanz führen. Besondere Aufmerksamkeit erfordern vor allem folgende Detailpunkte:

Frostgefahr für Wasserleitungen in der Außenwand

Wasserleitungen in der Außenwand sind nach einer innenseitigen Dämmung erhöhter Frostgefahr ausgesetzt, da der Wärmeeintrag aus dem Rauminneren in die Außenwand entfällt. Rohrleitungen sollten deshalb vor dem Anbringen der Innendämmung verlegt werden, am besten im Sockelbereich oder in der Dämmebene selbst. Die Leitungen müssen schall- und wärmegedämmt werden. An Durchdringungen ist auf eine dauerelastische und luftdichte Abdichtung zu achten. Dies gilt ebenso für alle anderen Versorgungsleitungen und Durchdringungen.

Abdichtung von Wanddurchdringungen

Im Bereich der Elektroinstallation ist ebenso auf eine Abdichtung von Durchdringungen zu achten. Geeignet sind diffusionshemmende Folien, spezielle Dichtbänder und dauerelastische Dichtmassen. Steckdosen werden oberhalb der Abdichtungsebene eingebaut.

Sorgfalt bei Laibungen und Nischen

Besonders sorgfältig müssen Laibungen und Nischen ausgeführt werden. In diesen Bereichen muss aus Platzgründen oft mit geringeren Dämmstoffdicken gearbeitet werden. Zum Ausgleich sollten Dämmstoffe mit geringeren Wärmeleitfähigkeiten eingesetzt werden.

Nachträgliche Veränderungen

Auch bei nachträglichen Veränderungen, zum Beispiel im Bereich der Elektroinstallation, kommt einer sorgfältigen und vollständigen Abdichtung von Durchdringungen eine hohe Bedeutung zu. Dies gilt ebenfalls, wenn an einer innengedämmten Wand Lasten befestigt werden.